Sonntag, 15. April 2012

Nachfragezusammenbruch durch Fettaugensyndrom

Ausgehend von den Annahmen, dass:

1. Menschen das Potential haben Ueberschuesse zu produzieren
2. Menschen die Motivation haben, diese Ueberschuesse so einzusetzen, dass sie produktivitaetssteigernd wirken, um sich so eine Entwicklung zu mehr "Wohlstand" zu ermoeglichen.
3. Menschen bei diesem Bestreben aus verschiedensten Gruenden unterschiedlich erfolgreich sind.
4. Das soziale System Wirtschaft ein offenes System ist, das zur lokalen Entropiesenkung = Hierachie und Strukturbildung faehig ist.

ergibt sich daraus zum einen die Moeglichkeit eines zunaechst exponentiellen Wachstums auf Basis der "Erfolgsformel" von kontinuierlicher und konsequenter Reinvestition von Ueberschuessen in produktivitaetssteigernde Massnahmen und zum anderen das parallel verlaufende Fettaugensyndrom mit der staendig voranschreitenden Konzentration des Kapitals in Form von Real- und Geldvermoegen in den Haenden von immer weniger Menschen (=Hierachie- und Strukturbildung). Wenn man die Komplikationen durch das Banken-/Geld-/Finanz- und Bewertungssystem als untaugliche Versuche, die realen Probleme zu loesen, wertet und in einer ersten Betrachtung aussen vorlaesst und nur diese beiden parallel verlaufenden, realen, empirisch belegbaren Entwicklungen als kennzeichend betrachtet, dann kann man die negativen Rueckwirkungen auf die Entwicklung des BIP durch die staendig steigende Produktivitaet (Tendenz zu Deflation/Preisverfall), Konzentration der Produktions- und Finanzmittel in den Haenden immer weniger Menschen, Ausschluss von immer mehr Menschen vom Produktionsprozess und damit Ausschluss von der Nachfragemoeglichkeit, bei der Modelbildung  in einem zeitabhaengigen Parameter

 

zusammengefasst abbilden, der an die Entwicklung des beim Fettaugensyndrom linear ansteigenden Theil Index gekoppelt ist. Dabei ist B eine Konstante, die die Rate des Ansteigens des Theil Index und der dadurch ausgeloesten kontraproduktiven Probleme beschreibt. Dieser Term ist also eine Abbildung der Resourcen "Kohaesion und sozialer Friede durch Partzipation und Gerechtigkeit", die durch bei fortschreitender Konzentration von Kapital reduziert. Fuer das BIP ergibt sich dann das Produkt aus exponetiell wachsender Produktivitaet und dieser linear abnehmenden Resource.


D.h. es bildet sich die Differenz zweier exponentiell verlaufender Entwicklungen, in der zunaechst der positive Term dominiert aber mit fortschreitender Zeit der negative Term das Regime uebernimmt. 

Daraus egibt sich dann wieder der fuer ein Tipping Point Model typische Verlauf ueber Zeit.

BIP Verlauf als Funktion der Zeit in einem Tipping Point Model

Wollte man also das BIP maximieren, dann muesste man die Entwicklung des Theil Index, also das Fortschreiten der Ungleichverteilung und der daraus resultierenden negativen Rueckwirkung, an der Stelle stoppen, an der das BIP maximal wird.
Das kommt unseren, auf Neoliberalismus gepolten, Eliten aber nicht in den Sinn, denn sie betrachten den Anstieg des Theil Index, also die zunehmende Konzentration von Kapital in den Haenden Weniger, als Antreiber und nicht als ueber Zeit kontraproduktiv werdendes Hindernis. Diese Fehleinschaetzung resultiert aus der Tatsache, das Wirtschaft als offenes System zunaechst wirklich Strukturen und Hierachien schaffen kann und muss, die produktivitatetssteigernd, also verstaerkend  wirken. Der Glaube an endloses exponentielles Wachstum verstellt aber den Blick dafuer, das exponentielles Wachstum Ausdruck eines Systems ist, das durch einen Energiestrom angetrieben im Ungleichgewicht ist und so seine Grenzen sucht. In solchen ungleichgewichtigen rueckgekoppelten dynamischen Systemen koennen Grenzen auch durch das entstehen, was zunaechst das Wachstum ermoeglicht oder antreibt. So gesehen kann eine Ausdifferenzierung=Ungleichwerdung ein zweischneidiges Schwert sein, was sich ab einem gewissen Punkt dem Wachstum entgegen stellt, obwohl es das selbe zunaechst ausgeloest und befoerdert hat. Die "Erfolgsformel" der Produktivitaetssteigerung durch kontinuierliche und konsequente Reinvestition von Ueberschuessen wird so gesehen durch das Fettaugensyndrom zur Falle.
So etwas koennen oder wollen neoliberale Eliten, die noch nicht einmal die primitivsten Grundlagen zur Bewaeltigung einer Optimierungsaufgabe beherrschen und denen absurde, realitaetsferne, neoklassische Wirtschaftstheorien auf Basis Gleichgewichtsmodellen eingehaemmert wurden, aber offensichtlich nicht erkennen.
Selbst dann nicht, wenn sich dieser Effekt in den Bilanzen der Banken unuebersehbar deutlich dokumentiert.

Sapere Aude!

Georg Trappe

1 Kommentar:

  1. "Das kommt unseren, auf Neoliberalismus gepolten, Eliten aber nicht in den Sinn, denn sie betrachten den Anstieg des Theil Index, also die zunehmende Konzentration von Kapital in den Haenden Weniger, als Antreiber und nicht als ueber Zeit kontraproduktiv werdendes Hindernis."

    Es handelt sich hier nicht um "Eliten", sondern um maximal vorurteilsbehaftete Untertanen eines künstlichen Archetyps im kollektiv Unbewussten, die noch an "Apfelbäumchen" glauben:

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